Kaletsch, U., Kaatsch, P., Meinert, R., Schüz, J., Czarwinski, R., Michaelis, J.: Childhood cancer and residential radon exposure - results of a population-based case-control study in Lower Saxony (Germany). Radiat. Environ. Biophys. 38, 211-215, 1999.


Am Deutschen Kinderkrebsregister wurde ein von der Boehringer Ingelheim Stiftung gefördertes dreijähriges Projekt abgeschlossen. Darin erfolgte eine Systematisierung des Langzeit-follow-up, für Patienten mit Sekundärmalignom eine Zusatzerhebung zur Therapie sowie eine Validierung der klinischen Daten.

Insgesamt sind dem Kinderkrebsregister 430 Patienten mit Sekundärmalignom bekannt: Häufigste Primärmalignome sind ALL (n=142), Retinoblastom (37), Morbus Hodgkin (33), Rhabdomyosarkom (27), Ewingsarkom (26), NHL (25), PNET (23), Neuroblastom (21). Häufigste Sekundärmalignome sind AML (n=85), Astrozytome (45), Osteosarkome (45), Schilddrüsenkarzinome (33), andere Karzinome (24), NHL (24) , ALL (22).

Häufigste Diagnosenkombinationen sind AML nach ALL (n=27), Astrozytom nach ALL (23), Osteosarkom nach Retinoblastom (17), Schilddrüsenkarzinom nach ALL (15). Solide Tumoren traten als Zweitmalignome im Median etwa 7 Jahre nach der Primärerkrankung auf. Für das Auftreten von Leukämien als Sekundärmalignom ist dieses mediane Zeitintervall kürzer; es liegt bei etwa 4 Jahren und ist nach einem soliden Tumor als Primärerkrankung kürzer als nach einer anderen Leukämie oder einem Lymphom.

Um Hinweise zu möglichen therapiebezogenen Ursachen von Sekundärmalignomen zu gewinnen, wurde ein Teil dieser Patienten in eine Fallkontrollstudie einbezogen. Dazu wurden zu jedem Patienten mit Sekundärmalignom zwei Kontrollkinder mit gleicher primärer Diagnose, jedoch ohne zweiter Neoplasie ausgewählt. Weitere Match-Kriterien waren Geschlecht, Geburts- und Erkankungsjahr. Auch für die Kontrollen wurden analog zu den Fällen die erforderlichen Therapiedaten zusammengestellt.

In die Fallkontrollstudie gingen insgesamt 238 Kinder mit und 450 ohne Sekundärmalignom ein. Zur Zeit werden mögliche Einflüsse der Strahlentherapie und einzelner Zytostatika (-Kombinationen) in verschiedenen Ansätzen analysiert (dichotom, Dosis-Wirkungs-Beziehungen, Stratifizierung nach Therapieart und/oder Risikogruppen).

Das Vorhaben dient dazu, eine Grundlage zur künftigen, systematischen Erfassung sekundärer maligner Erkrankungen am Kinderkrebsregister zu erarbeiten, eine ausführliche Deskription der beobachteten Patienten und Diagnosenkonstellationen zu erstellen und mögliche ätiologische Hinweise zu eruieren. In einem Folgeprojekt im Rahmen der Förderung des Kompetenznetzwerkes der GPOH durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung sollen unter anderem die Methoden verfeinert, die Systematisierung der Erhebung weiter vorangetrieben und Modelle zur Risikoabschätzung weiterentwickelt werden. Zielsetzung wird es sein differenzieren zu können, ob das Auftreten bestimmter Sekundärmalignome eher durch die primäre Therapie oder durch eine genetische Disposition bedingt ist.

Publikationen 1999