21.03.2011 13:33
Kommentar
Kommentar des Deutschen Kinderkrebsregisters (Leiter: Dr. Peter Kaatsch) zu dem Beitrag „45 Min - Die Atomlüge“ im NDR-Fernsehen am 23.2.2010 um 22:30
In dem Beitrag wird das Deutsche Kinderkrebsregister und dessen Leiter in ein falsches Licht gerückt. Folgende Klarstellung erscheint uns notwendig:
1. Falsch ist folgende Aussage im Bericht: „Als wir nachfragen, bekommen wir keine Informationen, man weicht uns aus.“ Richtig ist: Ein ausführliches, etwa halbstündiges Interview hat stattgefunden, in dem alle Fragen ausführlich beantwortet wurden.
2. Verfälschend ist folgende Aussage im Bericht: „Es heißt, Peter Kaatsch zeige sich gerne auf Veranstaltungen der Energiekonzerne.“ Richtig ist, dass PK grundsätzlich alle Einladungen berücksichtigt. Allerdings waren diese im Jahr 2008 so zahlreich, dass nur ein Teil davon wahrgenommen werden konnte. Einige wenige Beispiel für Vorträge von PK: Bürgerversammlung in Philippsburg auf Initiative der dortigen Bürgerinitiative, Oktober 2009; Informations-veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung, Geesthacht, April 2007; Vattenfall-Energiedialog Krümmel, Geesthacht, Juni 2009. Im Interview ist von PK auf die Vielfalt der Veranstaltungen, an denen er teilnimmt, klar hingewiesen worden.
3. Insofern ist die im Bericht gemachte Aussage, PK entlaste die Energiekonzerne, wo es nur geht und der daraus hergeleitete „böse Verdacht“, das Institut könne etwa auf der Seite der Atomindustrie stehen, klar zurückzuweisen.
4. Falsch ist, dass PK keine Namen anderer Leukämiecluster in Deutschland genannt habe. Das eine von PK genannte Beispiel eines Leukämieclusters wurde jedoch von der Journalistin als nicht vergleichbar bezeichnet. Selbstverständlich können einzelne Daten, die evtl. auch auf Einzelfälle Rückschlüsse erlauben, von PK nicht in einem Fernsehinterview genannt werden. Im Vorfeld des Interviews stellte PK der Journalistin Literatur zur Verfügung, aus der zu entnehmen ist, dass immer wieder international eine Häufung von Leukämie bei Kindern (Cluster) in ländlichen Regionen beobachtet wurde (z.B. Br J Cancer 1998; 77(5):818-24: Spatial clustering of childhood leukaemia …). Die gesendete Aussage der Journalistin Gesine Enwaldt ist damit überhaupt nicht nachvollziehbar: „Für mich (G.E.) kann das nur heißen: nur im Umfeld von Atomkraftwerken sind Leukämieraten bei Kleinkindern erhöht, nirgendwo sonst.“
5. Falsch ist folgende Aussage im Bericht: „Peter Kaatsch erwähne öffentlich nur Krebsfälle im 5-km-Radius der Kernkraftwerke; Leukämieraten sind auch bis 50 km erhöht, das verschweige das Mainzer Institut.“ Richtig ist: Das Deutsche Kinderkrebsregister hat immer wieder die Ergebnisse umfassend referiert. Auch die Ergebnisse jenseits der 5 km wurden kommuniziert (auch im Interview). Dies ist wissenschaftlich international (nach Begutachtung) publiziert. Unsere Einschätzung hierzu wird auch z.B von der Strahlenschutzkommission und von unabhängigen Gutachtern aus Großbritannien geteilt, die eigens diese Ergebnisse im Mainzer Institut nachgerechnet haben. Dies wurde im Interview von PK so auch der Journalistin gegenüber kommuniziert.
6. Nicht nachvollziehbar ist damit die Aussage der Journalistin im Bericht: „ Der Schmu liegt im Verschweigen - ein Skandal, den kaum jemand bisher bemerkte.“
Mainz, 25. Februar 2010 (modifiziert am 21. März 2011)

